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Paartherapie/Familientherapie

Psychoanalytisch orientierte Paartherapie

1. Paarberatung und Paartherapie als psychodynamisches Geschehen

Eine wichtige Voraussetzung für den psychoanalytischen/tiefenpsychologischen Umgang mit Paarkonflikten ist die Annahme, dass es sich bei einem Paar nicht nur um zwei unabhängig voneinander existierende Einzelindividuen handelt, sondern dass das Paar gleichzeitig auch ein Organismus, ein System ist. Beide Partner reagieren auf Belastungen nicht nur als Einzelne sondern auch als Paar-Organismus – und das Ganze passiert weitgehend unbewusst!

Paarkonflikte haben immer auch eine Funktion. Man stellt sich vor, dass die Partner im Konfliktfall den unbewussten Versuch unternehmen, frühe Entwicklungshemmnisse und Defizite, welche bis dahin die Lebens- und Entwicklungsmöglichkeiten des Einzelnen eingeschränkt und behindert haben, mit Hilfe des Anderen zu lösen.

Es ist nicht nur die Meinung von psychoanalytisch tätigen Therapeuten, auch viele Menschen, die sich mit diesen Fragen beschäftigen, wissen, dass dieses Phänomen bei der Paarfindung und Paarbindung eine wichtige und geradezu konstituierende Rolle spielt. Sie kennen aus ihrem Leben bestimmt Sätze wie: es gibt bei der Partnersuche selten Zufälle, jeder sucht sich den, den man braucht – oder: man sucht sich immer den Falschen aus.

Das Austragen von Konflikten, was in der Kindheit für die eigene Entwicklung notwendig gewesen wäre, was aber mit den Eltern offensichtlich nicht möglich war, wird nun in der Beziehung mit dem Partner mit Hilfe der sog. Übertragung erneut inszeniert. Man erwartet vom Partner das, was einem die Eltern nicht ermöglicht haben.

Da dies aber ein unbewusster Prozess ist, haben die Beteiligten Schwierigkeiten, die darin sich ereignende Regression auf kindliche Verhaltensmuster und die darin liegenden Projektionen auf den Partner als vermeintliche Elternfigur zu erkennen und aufzulösen. Hier kann die analytische/tiefenpsychologische Paartherapie sehr hilfreich sein. Der Paartherapeut unterstützt Sie an dieser Stelle, den schmerzhaften aber unumgänglichen unbewussten Entwicklungs-prozess begreifbar zu machen.

Zu dieser Entwicklungsarbeit gehört auch der Umgang mit Aggression und Destruktivität. Nur wenn beide Partner lernen, einen positiven Zugang zu ihren eigenen aggressiven Gefühlen zu bekommen und eine Vorstellung davon entwickeln, wie sie in ihren `Notwehr-Aktionen´ auf ihren Partner bedrohlich und manchmal sogar regelrecht vernichtend wirken können, dass sie also erleben, dass sie diesen Notsituationen in Wirklichkeit gar nicht so hilflos und kindlich ausgeliefert sind, wie sie es anscheinend selbst erleben, kann es zu einem entspannten und v.a. erwachsenen Umgang miteinander kommen. Dieser Prozess ist z.B. auch eminent wichtig für eine offene, entspannte und zufriedenstellende Sexualität.

Über die erreichten Veränderungen freut sich dann auch der Paartherapeut, der sich oftmals einem schwer erträglichen Hass zwischen den – sich in Wirklichkeit ja liebenden – Partnern gegenüber sieht.

2. Die analytische Paartherapie findet Anwendung

  • als Krisenintervention
  • als Fokaltherapie mit umgrenzter Fragestellung bzw. Therapieauftrag oder auch
  • als Langzeittherapie, wenn Paare sich ihrer Beziehung sicher sind und sich zusammen weiter entwickeln möchten

Analytische Paartherapie ist nicht auf die Suche nach Ursachen und das Gewinnen von Einsichten beschränkt, vielmehr gilt es auch, die gewünschten Veränderungen auszuprobieren und umzusetzen. Hier kommen dann auch Elemente aus der kognitiven Verhaltens- oder der Systemischen Therapie zum Tragen. Gut profitieren Teilnehmer der analytischen Paartherapie auch von (Familien-) Aufstellungen.

Formalitäten

1. Eine Paartherapie/Paarberatung ist keine Kassenleistung. Hier sind Sie „Selbstzahler“. Eine Therapiesitzung dauert 90 Minuten und kostet 150 €.

Vor Beginn einer Paartherapie steht ein Behandlungsvertrag, in dem zum einen die Grundsätze des Umgangs zwischen den Beteiligten und bzgl. der Verschwiegenheit geregelt sind und zum anderen Absprachen über die Verbindlichkeit der Termine einschl. einer Ausfallhonorar-Regelung getroffen werden

2. Paartherapiesitzungen finden je nach Therapieziel mit unterschiedlicher Frequenz statt, meist in größeren Abständen.

Dies hat sich bewährt, weil das Paar so die Möglichkeit hat, die in den Stunden gewonnenen Einsichten jeder für sich und für beide zusammen zu verarbeiten, Veränderungen im Alltag zu erproben und auch erste Veränderungserfolge zu erleben.