Einige Ausführungen zur Geschichte und zum
theoretischen Hintergrund der Paartherapie

Mit Hilfe der von Psychoanalytikern wie John Bowlby, James Robertson und Mary Ainsworth entwickelten Bindungstheorie konnten im Lauf der Zeit die psychodynamische Therapie und insbesondere auch die Therapie von Paaren entscheidend verbessert werden. Man hat erkannt, dass die emotionalen Erfahrungen des Paares gerade dadurch an Tiefe gewinnen, dass Bindungsbedürfnisse und Bindungsängste leichter und vertrauensvoller geäußert werden. Das Paar mit seinen sehr unterschiedlichen Entwicklungsgeschichten kann sich so intensiver kennenlernen und neue Erfahrungen der Zusammengehörigkeit und einer innigeren Freundschaft machen.

Diesen Ansatz hat der amerikanische Psychologe John Gottman mit seiner intensiven Paarforschung seit den 80-er Jahren aufgenommen und ist u.a. zu zwei essentiellen Erkenntnissen darüber gekommen, was gelingende Paarbeziehungen überhaupt ausmacht: 1. die Partner behandeln einander als gute Freunde mit Respekt, Empathie, affektiver Zuwendung und Positivität und 2. sie handhaben Konflikte in einer behutsamen und Art und achten dabei auf ein Überwiegen der positiven über die negativen Interaktionen während der Konfliktdiskussion. Vielleicht kennen Sie den Begriff der Apokalyptischen Reiter aus der Bibel oder der Kunst des Mittelalters – hier ging es ja noch um Pest, Krieg, Hunger und Tod. Gottman hat die 4 Apokalyptischen Reiter der Paarbeziehung benannt mit Kritik, Rechtfertigung, Verachtung und Rückzug. Sie führen nahezu zwangsläufig zu häufigem Streit, anhaltenden Konflikten und letztlich zur Zerrüttung der Paarbeziehung. Gottman´s wichtigstes Forschungsergebnis ist die Erkenntnis der destruktiven Bedeutung, die aus den negativen Affekten in der Paarbeziehung folgt. Er hat das Vorhandensein dieser Apokalyptischen Reiter sogar als Prädiktor für eine Trennung oder Scheidung eines Paares identifizieren können.

Etwa zeitgleich mit Gottman haben – ebenfalls unter intensiver Forschungstätigkeit mit Paaren – die kanadischen Psychologen Sue Johnson und Leslie Greenberg die Methode der Emotionsfokussierten Therapie (EFT) entwickelt. Sie konnten dabei Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften zur Emotionsregulation mit einbeziehen. Das daraus entstandene Konzept ihrer Paartherapie versteht Paarkonflikte als Ausdruck einer Unterbrechung der Bindungsbeziehung. Dabei spielen die unterschiedlichen Ebenen der Emotionen eine wichtige Rolle: den Paaren bewusst ist zunächst nur die Ebene des Handelns und die unmittelbare Motivation dafür. Das nennt man in der EFT sekundäre Emotion. Die eigentliche, noch nicht bewusst zugängliche Ebene der Bindungsgefühle wird von den primären Emotionen gebildet. Das sind die Bindungsbedürfnisse als solche und die damit verbundenen biologisch angelegten Grund-Emotionen wie Freude, Interesse/Neugier oder eben auch Angst, Ärger, Wut, Trauer, Ekel und Scham.

 

Interessant ist nun, dass nur dann nachweisbar und anhaltend therapeutische Veränderungen eintreten, wenn die Partner sich mit diesen primären Emotionen und Bedürfnissen wieder direkt an den Anderen wenden. Die stärksten und auch nachhaltigsten Veränderungen bei Paarkonflikten treten genau dann auf, wenn solche Momente der Wiederherstellung der Bindungsbeziehung in einer Therapiesitzung geschehen. Das nennt man „korrigierende Beziehungserfahrung“. Danach ist die Qualität der Beziehung völlig verändert, es kommt nicht mehr zu Eskalationen, und Probleme können viel effektiver besprochen werden. Daraus resultiert auch ein wichtiger Nebeneffekt: die psychosoziale Kompetenz der Partner wird gefördert, emotionale Unterstützung beim Anderen zu suchen bzw. ihm auch zu geben. Paare werden immer Meinungsverschiedenheiten haben, aber diese werden niemals mehr eine Gefahr für die Beziehung sein.

Paartherapie ist wirksam. Das belegen Studien: die Wahrscheinlichkeit, dass es einem paar- oder familientherapeutisch behandelten Menschen besser geht als einem unbehandelten, liegt bei etwa 70 %, ist also höher als in den meisten medizinischen und sogar pharmazeutischen Wirksamkeitsstudien. Paartherapie ist auch nachhaltig wirksam, nämlich nach 5 Jahren immer noch mit einer Wahrscheinlichkeit von über 40 %.
Paartherapien in unterschiedlichen Methoden sind natürlich auch unterschiedlich wirksam. Zu den wirksamsten gehören die psychodynamische Paartherapie und die Emotionsfokussierte Therapie (EFT), weil sie direkt an den Emotionen der Partner arbeiten und v.a. auch eine interpersonelle Emotionsregulation in der therapeutischen Beziehung anbieten. Auch in der therapeutischen Beziehung finden wirksame Bindungsprozesse statt!

Immens wichtig für eine erfolgreiche Paartherapie (und Therapie überhaupt) sind im Wesentlichen 3 Faktoren:

 

  1. Die authentische Beziehung zwischen Therapeut und Klienten, wobei v.a. der Therapeut echtes Interesse, positive Zuwendung, Empathie, Wertschätzung und Respekt gegenüber den Klienten zeigt
  2. Therapeut und Klienten sollten hinsichtlich der zu bearbeitenden Themen und der angestrebten Ziele immer wieder ihre Übereinstimmung benennen bzw. aushandeln
  3. das Therapieangebot und die Vorgehensweise sollen klar formuliert und strukturiert und für die Klienten plausibel sein.